Willkommen bei Aijō, dem Dojo für die japanische Seilkunst
Willkommen bei Aijō, dem Dojo für die japanische Seilkunst
Da wir auf dieser Seite Inhalte zeigen, die für unter 18 Jährige nicht zugelassen sind, bitten wir dich hier kurz zu bestätigen, dass du 18 Jahre oder älter bist, und diesen Inhalt sehen darfst.

The Nine Gates of Osada-Ryū

Ein intensiver Partnerworkshop über die neun Gates des Osada-Ryū – und damit über die Frage, wie wir fesseln. Statt ein weiteres Pattern zu sammeln, erforschen wir Position, Distanz, Seilführung, subtile Technik, Energie, Rhythmus, Intuition, Präsenz und die direkte Vermittlung im Dojo.

Samstag, 5. und Sonntag, 6. Dezember 2026

Neun Perspektiven auf eine Begegnung im Seil

Die Nine Gates bilden den theoretischen und philosophischen Kern des Osada-Ryū. Sie ergänzen die technische Frage «Was wird gefesselt?» um Wahrnehmung, Haltung und Interaktion. Die Gates lassen sich benennen und einzeln üben, wirken in einer Session aber immer zusammen.

Deshalb folgt auf jeden kurzen Theorieimpuls eine überschaubare Übung, eine Auswertung im Paar und Feedback in der Gruppe. Beide Rollen lernen aktiv: Shibarite setzt Angebote; Ukete nimmt wahr, antwortet und gestaltet den gemeinsamen Moment mit.

Alle Übungen finden am Boden statt. Einvernehmen, körperliche Grenzen und ein jederzeitiges Stoppen stehen über jeder Aufgabe.

Osada Steve demonstriert Kinbaku und die Qualität einer Begegnung im Seil

Der Workshop auf einen Blick

Format
Zweitägiger Partnerworkshop mit festen Rollen
Voraussetzung
Sichere Einseil-Handfesselung und grundlegende Seilführung
Termin
5. und 6. Dezember 2026
Praxis
Bequeme Kleidung, alle Übungen am Boden

Alle Nine Gates und ihre Übungen

Jedes Gate setzt einen eigenen Schwerpunkt. Im Workshop werden alle neun Aspekte nacheinander erarbeitet und anschliessend in einer gemeinsamen Fesselsession miteinander verbunden.

Gate 01 · 立位置

Tachi-ichi · Position

Fokus: Körperhaltung, Winkel, Höhe und die Position beider Personen im Raum.

Übung: Eine bekannte Einseil-Handfesselung wird frontal, seitlich und hinter Ukete begonnen. Nach jeder Variante beschreibt Ukete, wie sich Präsenz, Blickkontakt und Machtgefälle verändert haben. Danach wird eine Position bewusst gemeinsam gewählt.

Gate 02 · 間合い

Ma-ai · Nähe und Distanz

Fokus: Der Abstand, in dem Kontakt entsteht, wächst oder bewusst zurückgenommen wird.

Übung: Das Paar erkundet drei Distanzen – ausser Reichweite, Seilreichweite und Körpernähe. Shibarite nähert sich langsam, Ukete markiert den Punkt, an dem sich die Qualität verändert. Anschliessend wird derselbe kurze Seilweg mit wechselnder Distanz wiederholt.

Gate 03 · 捌く

Sabaku · Seilführung

Fokus: Das Seil klar, effizient und mit möglichst wenig unnötiger Reibung führen.

Übung: Ein Seil wird in ruhigen Bahnen um Arme und Oberkörper geführt, ohne ein neues Pattern zu bauen. Geübt werden Handwechsel, das Auslegen des Seils und gleichmässige Spannung. Ukete meldet Reibung, Zugwechsel und unruhige Momente unmittelbar zurück.

Gate 04 · 裏技

Urawaza · Versteckte Techniken

Fokus: Subtile Interaktionen, die von aussen kaum sichtbar, im Paar aber deutlich spürbar sind.

Übung: Die gleiche kleine Bewegung wird einmal nur über das Seil, einmal mit einer unterstützenden Hand und einmal mit einer Gewichtsverlagerung begleitet. Ukete benennt, welche Signale Orientierung oder Nähe geschaffen haben. Alle Varianten werden vorher abgesprochen.

Gate 05 · 気

Ki · Energie

Fokus: Ausrichtung, Präsenz und der wahrnehmbare Austausch zwischen Shibarite und Ukete.

Übung: Eine identische Bewegung wird mit drei vereinbarten Qualitäten ausgeführt: ruhig, bestimmt und weich. Ukete beschreibt nur die empfangene Wirkung; anschliessend vergleicht das Paar Absicht und Wahrnehmung, ohne eine davon zur einzig richtigen zu erklären.

Gate 06 · 緩急

Kankyū · Tempo und Rhythmus

Fokus: Beschleunigung, Verlangsamung, Pause und Wiederholung als dramaturgische Mittel.

Übung: Eine kurze, sicher beherrschte Sequenz wird in drei Rhythmen wiederholt. Danach gestaltet Shibarite einen Bogen aus Bewegung und bewussten Pausen. Ukete gibt Rückmeldung, wann Spannung, Ruhe oder Überforderung entstanden sind.

Gate 07 · 勘

Kan · Intuition

Fokus: Atem, Muskeltonus, Blick und Bewegung wahrnehmen – und eine Vermutung überprüfen.

Übung: Shibarite stoppt während einer einfachen Sequenz an drei selbst gewählten Momenten, benennt eine Beobachtung und fragt nach. Das Paar vergleicht anschliessend, welche Signale stimmten und wo Interpretation mit Tatsache verwechselt wurde.

Gate 08 · 無我縄

Muganawa · Der freie Geist

Fokus: Im aktuellen Moment bleiben, ohne ein Bild oder Ergebnis erzwingen zu müssen.

Übung: Nach einer kurzen Ankommensphase beginnt das Paar mit nur einem Seil und einem vertrauten Start. Der nächste Schritt entsteht aus dem aktuellen Kontakt. Sobald Gedanken vorauseilen, wird pausiert, geatmet und neu wahrgenommen.

Gate 09 · 口伝

Kuden · Mündliche Überlieferung

Fokus: Wissen wird durch Zeigen, Erleben, Korrektur und direkten Austausch weitergegeben.

Übung: Die Lehrperson demonstriert eine kurze Anwendung ohne Skript. Die Paare rekonstruieren nicht nur die Abfolge, sondern benennen die erlebte Qualität. Im Teach-back erklärt jedes Paar einen Aspekt und erhält eine unmittelbare Korrektur.

Partnerübung zu Position, Distanz und Seilführung im Nine Gates Workshop

Vom Begriff zur körperlichen Erfahrung

Die Übungen werden nicht nach «richtig» oder «falsch» ausgewertet. Entscheidend ist, ob eine gesetzte Absicht beim Gegenüber tatsächlich ankommt. Beobachtung ersetzt dabei keine Nachfrage: Wahrnehmung wird im Paar überprüft und nicht als Gewissheit ausgegeben.

Nach jedem Block reflektieren beide Personen das Erlebte aus ihrer festen Rolle. So entsteht ein gemeinsames Vokabular für Wirkung, Intensität und Grenzen – aus beiden Perspektiven.

Integration: Alle Gates in einer kurzen Session

Zum Abschluss gestaltet jedes Paar eine kurze Bodensession mit einem vertrauten Pattern. Drei Gates werden vorher bewusst gewählt; die übrigen dürfen im Hintergrund mitwirken. Ukete kann jederzeit Tempo, Abstand oder Intensität verändern lassen.

In der Reflexion geht es nicht um eine Vorführung, sondern um konkrete Fragen: Welche Absicht war spürbar? Wo entstand ein Dialog? Was geschah automatisch – und was möchten beide weiter vertiefen?

Demonstration einer gemeinsamen Fesselsession mit Elementen der Nine Gates of Osada-Ryū

Für wen ist dieser Workshop geeignet?

Für Fesselpaare, die über das reine Nachbauen von Pattern hinausgehen und ihre Kommunikation im Seil vertiefen möchten. Du solltest eine sichere Einseil-Handfesselung beherrschen, ein Seil kontrolliert führen können und mit den grundlegenden Sicherheits- und Konsensprinzipien vertraut sein. Suspension-Erfahrung ist nicht erforderlich; im Workshop wird nicht gehängt.

Die Nine Gates sind kein abgeschlossenes Rezept. Dieser Workshop öffnet neun Übungsräume, die mit wachsender Erfahrung immer wieder neu besucht werden können.

Einordnung und weiterführende Informationen

Die Begriffe und ihre Einordnung orientieren sich an der Osada-Ryū-Übersicht von Harukumo-Juku, der Darstellung von Secret56 und den Workshop-Informationen des Kinbaku Studio Vienna. Die hier beschriebenen Übungen sind ein eigenständiges Workshopkonzept des Aijō Dojo.

info@aijo-dojo.ch
Niederlenzerstrasse 29
CH 5600 Lenzburg
+41 (0)76 259 98 35
Copyright © 2026 Aijō.
All Rights Reserved.