Willkommen bei Aijō, dem Dojo für die japanische Seilkunst
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Osada Steve – Kinbaku-Künstler, Lehrer und Gründer des Osada-Ryū

Osada Steve (長田スティーブ) ist ein in Berlin geborener und seit 1980 in Japan lebender Kinbaku-Künstler, Performer und Lehrer. Sein Weg führte ihn von der Mode- und Fetischfotografie in Tokios Subkultur zur direkten Ausbildung bei bedeutenden japanischen Bakushi. Besonders prägend war seine Lehrzeit bei Osada Eikichi, dessen Bühnenarbeit er ab 1998 begleitete und dessen Namen und Tradition er später weiterführte.

Mit dem Studio SIX in Tokio schuf er im Jahr 2000 einen Ort für Performances, intensives Training und die Weitergabe von Kinbaku. Aus seiner langjährigen Bühnen- und Unterrichtspraxis entwickelte sich das Osada-Ryū: ein strukturiertes Lehrsystem, das technische Grundlagen mit Wahrnehmung, Kommunikation, Rhythmus und emotionaler Verbindung verbindet.

Durch internationale Workshops, Lehrer-Ausbildungen, Publikationen, Filme und digitale Lernangebote hat Osada Steve wesentlich dazu beigetragen, japanisches Kinbaku ausserhalb Japans zugänglich zu machen. Bis heute unterrichtet er im Osada-Ryū Honbu Dōjō in Tokio und arbeitet als Performer, Regisseur, Fotograf und Autor.

Porträt von Osada Steve bei einem Besuch in der Harukumo-Juku
Osada Steve bei einem Besuch in der Harukumo-Juku

Vom Fotografen zum Kinbaku-Lehrer

1980–1997: Ankunft in Japan

Nach längeren Aufenthalten in Indien, Thailand und Hongkong liess sich Osada Steve 1980 in Japan nieder. Er studierte dort unter anderem Shōtōkan-Karate und Aikidō und arbeitete zunächst als Modefotograf. In den 1990er-Jahren dokumentierte er als Fetischfotograf die Tokioter SM-Szene.

1998–2001: Osada Eikichi

Bei einem Fotoshooting lernte er 1998 Osada Eikichi kennen. Er assistierte ihm bei regelmässigen Bühnenauftritten und wurde sein Schüler. 2001 übernahm er die Nachfolge seines Mentors und führte den Namen Osada als Osada Steve weiter.

2000: Studio SIX

Das Studio SIX in Tokio begann als Ort für das Osada Seminar. Ab 2002 wurde es zusätzlich als Dōjō für intensives Kinbaku-Studium genutzt. Performances und individueller Unterricht bilden bis heute den Kern des Studios.

2002–2017: Weitere Lehrer

Osada Steve lernte ab 2002 bei Akechi Denki, ab 2005 bei Nawashi Kanna und später bei Yukimura Haruki. Yukimura verlieh ihm den Bakushi-Namen Harumine und eine Lehrlizenz. Seit 2017 setzt er seine Studien bei Yagami Ren fort.

2007–2008: Osada-Ryū

2007 etablierte er das Osada-Ryū und das Honbu Dōjō in Tokio. 2008 wurden die ersten lizenzierten Instruktoren zertifiziert. Das Kyu-System macht den Lernweg in aufeinander aufbauenden Stufen nachvollziehbar.

Seit 2020: Digitales Lernen

Ab 2020 ergänzte Osada Steve seine Arbeit durch Online-Workshops und persönliches Coaching per Video. 2021 startete die Kinbaku Academy mit strukturierten Online-Kursen von Osada Steve und weiteren japanischen Lehrern.

Osada Steve unterrichtet Shana, Jack und weitere Schüler im Aijō Dojo
Osada Steve beim Unterricht mit Shana, Jack, Vinciens und weiteren Teilnehmenden

Lehrer, Einflüsse und Weitergabe

Osada Steves Arbeit verbindet Erfahrungen aus mehreren Linien des modernen japanischen Kinbaku. Osada Eikichi vermittelte ihm die Bühnenpraxis und machte ihn mit der direkten Weitergabe von Wissen vertraut. Es folgten Studien bei Akechi Denki und Nawashi Kanna.

Yukimura Haruki begleitete er bereits seit 1999 fotografisch. 2006 nahm Yukimura ihn als ersten formellen Schüler an, 2009 erhielt er den Namen Harumine und 2012 die Lehrlizenz. In diesem Umfeld vertiefte Osada Steve insbesondere Newaza – die Arbeit am Boden – und Yukimuras beziehungsorientierten Zugang zum Seil.

Im eigenen Unterricht zerlegt Osada Steve komplexe Abläufe in verständliche Bausteine. Wiederholung, achtsame Wahrnehmung und eine solide technische Basis sollen Lernenden ermöglichen, mit wachsender Erfahrung eine persönliche Ausdrucksform zu entwickeln. Das Aijō Dojo greift diese strukturierte Unterrichtstradition in seiner Osada-Ryū Kyu-Ausbildung auf.

Bühne, Fotografie und Publikationen

Die Kinbaku-Live-Formate im Studio SIX verbinden Performance und unmittelbare, nicht vollständig choreografierte Begegnung vor kleinem Publikum. Daneben trat Osada Steve in Japan und auf internationalen Tourneen auf und gab seit 2004 regelmässig Workshops in Europa, Nordamerika und Australien.

Seine Fotografien und Arbeiten erschienen unter anderem in Wired, Vogue, GQ und verschiedenen japanischen Fachmagazinen. 2009 veröffentlichte er den Fotoband Aiko – Kinbaku by Osada Steve; später folgte Letters from Tokyo. Als Mitwirkender oder Produzent war er zudem an Film- und Dokumentarprojekten beteiligt, darunter Hito Steyerls Lovely Andrea und der Dokumentarfilm The Pleasure of Rope.

Osada Steve während einer Kinbaku-Live-Performance im Aijō Dojo
Osada Steve während einer Kinbaku-Live-Performance

Osada Steve im Video

Die beiden Aufzeichnungen zeigen unterschiedliche Seiten seiner Arbeit: ein ausführliches Interview mit Osada Steve und eine Newaza-Demonstration im Stil von Yukimura Haruki.

Shibari Interview 6 – Osada Steve

Im Interview der Harukumo-Juku steht Osada Steve als Künstler, Lehrer und prägende Persönlichkeit des modernen Kinbaku im Mittelpunkt.

Newaza – The Caressing Style of Yukimura Haruki

Die rund 20-minütige Demonstration entstand 2008 bei einem von Yukimura Haruki organisierten Kinbaku-Abend in Golden Gai. Osada Steve arbeitet darin mit dem Model Asagi Ageha.

Quellen und weiterführende Informationen

Die biografischen Angaben dieser Seite beruhen vor allem auf den offiziellen Angeboten von Osada Steve, Osada-Ryū und Yukimura-Ryū. Dort finden sich ausführlichere Chronologien, Angaben zum Unterricht und weiteres Bild- und Videomaterial.

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